Bali - alles statt entweder/oder.
Aktualisiert: 18. Sept.
Bali, Sidemen, 8 Uhr morgens. 25 Grad. Stille - bis auf die Geräusche, die man morgens mitten im grünen Palmenwald an einem so friedlichen Ort hört: Insekten summen, es zirpt und zwitschert aus dem dichten Palmenwald direkt vor meinem Bungalow.
Dieses Grün, das ich von meiner Terrasse aus sehe, das Grün der Bäume und der Pflanzen, es hat so viele Nuancen. Es ist von einer solchen Intensität, dass es mich jedes Mal aufs Neue berührt.
Die Palmenblätter sind so unterschiedlich geformt - keine Palme sieht aus wie die andere. Ich wusste gar nicht, wie viele unterschiedliche Palmenarten es hier gibt. Wie stark sie sich in Größe und Form voneinander unterscheiden.

Ich befinde mich in Sidemen - zwei Stunden vom internationalen Flughafen Denpasar entfernt - im Landesinneren. Kein Meer; dafür Regenwald, Reisterrassen, Berge.
Die Sonne scheint hier täglich von Sonnenaufgang gegen 6 Uhr bis zum Sonnenuntergang gegen 17.30 Uhr (zumindest jetzt, im September 2026) - und das sehr intensiv. Schon morgens um 9h ist es so unglaublich heiß, dass es in der Sonne kaum auszuhalten ist.
Beim Spaziergang durch die Reisfelder sehe ich so viele verschiedene Grüntöne, dass ich sie gar nicht mehr benennen kann. Es ist, als würde man jeden einzelnen Instagram-Filter einmal anwenden und daraus immer wieder einen neuen Ton erhalten. Nur ist das hier kein KI-Filter, durch den ich blicke: das hier ist die Realität.

Dann riecht es hier auch noch so gut - hier werden nämlich regelmäßig Räucherstäbchen angezündet.
Diese Räucherstäbchen sind Teil der balinesischen spirituellen Tradition und begleiten die täglichen Opfergaben an die Götter.
Dieser balinesische Spirit umgibt einen hier, egal wo man sich aufhält.
Zweimal täglich basteln die Balinesen kleine Geschenke aus Blumen, Reis und Räucherstäbchen für die Götter und legen sie an Schreinen, Eingängen oder einfach auf der Erde ab. Die Opfergaben liegen in traditionell geflochtenen kleinen Körbchen und man sieht ihnen an, wie liebevoll sie zusammengestellt wurden - einfach wunderschön.
Bali wird wegen seiner unzähligen Tempel auch "die Insel der Götter" genannt. Der balinesische Begriff für Tempel ist "Pura". Die traditionelle Ausrichtung balinesischer Tempelanlagen orientiert sich unter anderem an den Bergen (Wohnsitz der Götter) und am Meer (Wohnsitz der Dämonen): Kaja - zum Berg hin - gilt als die heilige Richtung, während kelod in Richtung Meer weist.
Viele Tempelanlagen betritt man durch ein gespaltetes Tor, das "Candi Bentar". Dies symbolisiert das geteilte Universum: die Grenze zwischen der weltlichen, unvollkommenen Außenwelt und dem heiligen Ort.
Die gestuften, pagodenartigen Dächer der Tempel nennt man Meru-Türme. Sie symbolisieren den heiligen Berg Meru, der im Hinduismus als kosmisches Zentrum und Wohnort der Götter gilt. Ihre nach oben hin immer kleiner werdenden Dächer vermitteln die Vorstellung einer Verbindung zwischen der irdischen Welt und der göttlichen Sphäre.
In den Tempeln selbst begegnen einem imposante Steinfiguren von Dämonen, Fabelwesen und mythologischen Gestalten. Sie sind nicht nur dekorativ, sondern haben innerhalb der religiösen und symbolischen Welt des Tempels unterschiedliche Bedeutungen. So können Sie z.B. als Wächterfiguren dienen oder daran erinnern, das Heilige vom Alltäglichen abzugrenzen.
Besonders eindrucksvoll sind die oft grimmig dargestellten Wesen: Sie sollen negative Kräfte abwehren und gleichzeitig daran erinnern, dass Gegensätze wie Licht und Dunkelheit, Gut und Böse zusammengehören und einander ausbalancieren. Die Figuren erzählen also nicht bloß eine Geschichte, sondern machen die spirituelle Welt rund um den Tempel sichtbar.
Sich in einer Tempelanlage aufzuhalten hat etwas Magisches an sich - das spürt man, selbst wenn man nicht der hinduistischen Religion angehört. Da liegt so eine Aura über dem heiligen Ort - etwas, das man nicht anfassen, aber spüren kann.

Die Farbenvielfalt der verschiedenen balinesischen Blumen reicht von Gelb über Orange und Rot bis hin zu Pink-Violett. Nie hat eine Pflanze hier nur eine einzige Farbe. Es scheint, als wäre hier auf Bali nichts einfach nur "entweder/oder". Hier ist alles miteinander verschmolzen. Alles hängt miteinander zusammen. Daraus entsteht eine einzigartige Harmonie.
Vielleicht ist es gerade das, was mich hier so fasziniert. Was mich abschalten und zur Ruhe kommen lässt. Mich in seinen Bann zieht.
Was, wenn man sich nicht für das eine oder für das andere entscheiden muss? Was, wenn man alles haben kann? Den Job, der einem Spaß macht UND der die Rechnungen bezahlt. Die Partnerschaft, die besten Freund, Liebhaber, Businesspartner und größten Unterstützer vereint. Den Urlaubsort, der zum Zuhause wird. Alles gleichzeitig. Immer. Auf eine natürliche, harmonische Art und Weise?
Darüber lohnt es sich nachzudenken.
Aus Bali, im September 2026
Dominika Johanna

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